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125 Jahre ÖPNV in Oberhausen

Die STOAG feiert Geburtstag, einen besonderen Geburtstag sogar: Seit 125 Jahren gibt es in Oberhausen öffentlichen Personennahverkehr. Als am 4. April 1897 die erste elektrische Straßenbahn auf dem Gebiet der heutigen Stadt Oberhausen ihren Betrieb aufnahm, war dies auch das Gründungsdatum der Stadtwerke. In der langen Zeit hat sich viel verändert, eines aber nicht: Die STOAG möchte, dass ihre Fahrgäste gut ankommen, damals wie heute: ob mit der Straßenbahn, mit dem Bus oder mit dem Revierflitzer®.

26.07.2022

FLOTTE SIEBEN KILOMETER

Ein Blick zurück: Die Oberhausener Straßenbahn ist zwar nicht die erste elektrische Straßenbahn im Deutschen Reich, aber die erste „Elektrische“, die in kommunaler Eigenregie betrieben wird. Im Unterschied zu vielen anderen deutschen Städten beginnt die Ära des Oberhausener Nahverkehrs nicht mit einer Pferdebahnstrecke, sondern der Betrieb wird von Anfang an elektrisch durchgeführt. Und erstmals wird ein kommunales Straßenbahnunternehmen gegründet. Eine mutige Entscheidung der Stadtväter. Gut sieben Kilometer lang ist die erste Straßenbahnlinie. Sie beginnt an der Grenzstraße, dann geht es über Mülheimer- und Marktstraße zum Bahnhof und weiter über Grillo- und Brücktorstraße zum Eingang des Neuen Walzwerkes auf der Osterfelder Straße. Zehn Triebwagen sind auf der Strecke unterwegs, ihre Durchschnittsgeschwindigkeit liegt zwischen 16 und 19 km/h. Bei den Bürgerinnen und Bürgern siegt schnell die Neugier an der modernen Technik über die Skepsis diesem neuen Verkehrsmittel gegenüber. Bedenken gibt es zunächst vor allem, ob die unter Spannung stehenden Oberleitungen gefährlich werden könnten und zudem das Stadtbild negativ beeinträchtigen würden. Doch die Technologie erweist sich als sicher und die Vorteile des neuen Antriebs überzeugen: schnell und zuverlässig. Ungewöhnliche Wege beschreiten die Stadtwerke Oberhausen nicht unbedingt mit der Abschaffung der Straßenbahn im Jahr 1968 – die Ära der Tram endete in den 1960er-Jahren in mehreren deutschen Städten – sondern vielmehr mit der Wiedereinführung der Straßenbahn im Jahr 1996. Die Linienführung über eine stillgelegte Werkbahntrasse stößt international auf Interesse und hat sich bis heute bewährt.

INNOVATION ALS ANTRIEB

Neuen Technologien gegenüber zeigt sich das Oberhausener Verkehrsunternehmen stets aufgeschlossen. Mit der Anschaffung von zwei Hybridbussen im Jahr 2012 beteiligt sich die STOAG an einem Förderprogramm für innovative Technik im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. So sollen die Alltagstauglichkeit der umweltfreundlichen Busse getestet und die Erkenntnisse und Erfahrungen mit der neuen Technik auch für andere Verkehrsunternehmen und Fahrzeughersteller verfügbar gemacht werden. Die Hybridtechnik bei Linienbussen stellt einen ersten wichtigen Zwischenschritt auf dem Weg zum rein elektrisch betriebenen Bus dar. Nur wenn Verkehrsunternehmen bereit sind, neue Technologien auch einzusetzen und Erfahrungen zu sammeln, sind Fortschritte in der Entwicklung alternativer Antriebstechniken möglich. Elektrobusse gibt es seit 2015 bei der STOAG. Das Oberhausener Verkehrsunternehmen geht auch hier neue Wege – bei der Ladetechnik. Die vorhandene Gleichspannungsinfrastruktur der Straßenbahn wird zur Schnellladung von Elektrobussen genutzt. Die Ladeenergieentnahme zur Versorgung der Busse erfolgt aus dem Unterwerk Neumarkt sowie aus der Fahrleitung der Straßenbahn. Ihre Erfahrung bringt die STOAG in das internationale Projekt zur Elektromobilität ELIPTIC ein. Im Jahr 2019 wird zusammen mit dem Nachbarverkehrsunternehmen Vestische mit der Linie 979 die erste städteverbindende Elektrobuslinie in Nordrhein-Westfalen in Betrieb genommen – eine kleine Premiere.

Jüngstes Projekt der STOAG ist der Revierflitzer. Mit den fünf elektrisch betriebenen „London-Taxis“ wird ein innovatives Mobilitätskonzept umgesetzt, bei dem die STOAG ökologisch und servicemäßig ganz weit vorne ist. Kunden können in den Abend- und Nachtstunden per App individuelle Fahrten buchen, die dank eines ausgeklügelten Systems hocheffizient gebündelt werden. Die Fahrten werden komplett digital abgewickelt. Umwelt, Anwohner und Fahrgäste profitieren gleichermaßen vom Revierflitzer, denn er bedeutet weniger Verkehr auf den Straßen und ermöglicht gleichzeitig attraktive Konditionen – eine neue Form des öffentlichen Nahverkehrs eben. Dieser flexible On-Demand-Service kommt bei den Oberhausener Bürgern sehr gut an.

WAS BRINGT DIE ZUKUNFT?

STOAG-Geschäftsführer Werner Overkamp lässt keinen Zweifel daran, dass die Klimaschutzziele und damit die CO2-Verminderungsziele im Verkehrssektor nur über den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs erreicht werden können. Für Oberhausen bedeutet das beispielsweise die Verlängerung der Linie 105. Aber auch Bussen, besonders Schnellbussen, kommt in diesem Zusammenhang eine hohe Bedeutung zu, um eine kurzfristige Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr auf den .PNV zu erreichen. Bis autonome Verkehrsangebote in den Regelbetrieb kommen, wird jedoch noch eine Weile vergehen. Aber, soviel ist sicher, die STOAG wird auch dieser Innovation offen gegenüberstehen.