Stadtgespräch | Umwelt

Energetische Sanierung

Homestory Dirk Nagel – Ein Haus im Wandel in Oberhausen-Tackenberg

Im Rahmen des Projekts Prima. Klima. Tackenberg. gibt Dirk Nagel Einblick in die energetische Entwicklung seines Wohnhauses im Stadtteil Oberhausen-Tackenberg. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1904 und wurde in einer Bauweise errichtet, die aus heutiger Sicht zahlreiche Herausforderungen mit sich bringt: fehlendes Fundament, teilweise Unterkellerung, keine Horizontalsperre und direkt ins Erdreich gesetzte Außenwände. Feuchtigkeit und hohe Energieverluste begleiteten das Haus über Jahrzehnte.

23.02.2026

Bereits 1992 ließ Herr Nagel das Gebäude erstmals umfassend sanieren. Elektrik, Leitungen, Böden und Fenster wurden erneuert, das Dach jedoch zunächst belassen. Ab 2013 folgten weitere notwendige Maßnahmen: Eine neue Dämmung, der Ausbau des Spitzbodens, später ein komplett neues Dach mit moderner Dämmtechnik sowie gedämmte und verkleidete Giebelwände. Auch statische Probleme machten einen Austausch der Holzbalkendecke erforderlich, während das Haus weiterhin bewohnt war.

Besonders problematisch war die mangelhafte Ableitung von Regenwasser. Unsachgemäß angeschlossene Fallrohre führten dazu, dass Niederschlagswasser direkt ins Erdreich und damit ins Mauerwerk gelangte. Die Folge waren massive Feuchteschäden im Keller. Die Außenbereiche wurden daraufhin geöffnet, fachgerecht abgedichtet und mit einer bewusst dünnen Außendämmung versehen, um das Raumklima nicht zusätzlich zu verschlechtern.

Ab 2020 begann für Herrn Nagel ein neuer Abschnitt: die gezielte energetische Optimierung des Hauses. Ein klassischer Sanierungsfahrplan erwies sich für ihn als wenig hilfreich, da er die individuellen Gegebenheiten des Gebäudes und die Lebensrealität der Bewohner nicht ausreichend berücksichtigte. Stattdessen analysierte er den Energieverbrauch eigenständig mithilfe eines Smart-Home-Systems, Sensorik und detaillierter Datenauswertung.

Die Analyse zeigte, dass weniger die Fensterrahmen als vielmehr die Verglasung für Wärmeverluste verantwortlich war. Durch den Austausch der Gläser gegen hochwertige 2-fach-Verglasung mit Kryptonfüllung konnte der Wohnkomfort deutlich gesteigert werden. Parallel entwickelte Herr Nagel ein eigenes Energiekonzept aus Photovoltaik und modernen Klimageräten, die sowohl zum Heizen als auch zum Kühlen genutzt werden.

Nach umfangreichen Tests mit Balkonkraftwerken installierte er schließlich eine groß dimensionierte Photovoltaikanlage mit Speicher. Im Mai 2025 ging eine Anlage mit rund 22 kWp Leistung und Notstromversorgung in Betrieb, ergänzt durch mehrere Multi-Split-Klimasysteme. Die Einbindung aller Komponenten in ein intelligentes Smart-Home-System ermöglicht eine effiziente Steuerung und Optimierung des Energieverbrauchs.

Heute ist das Haus deutlich komfortabler, wärmer und nahezu unabhängig von fossilen Energien. Die Heizkosten konnten erheblich gesenkt werden. Für Herrn Nagel zeigt sein Projekt vor allem eines: Energetische Sanierung im Altbau ist möglich, wenn sie realistisch geplant, datenbasiert umgesetzt und an die individuellen Rahmenbedingungen angepasst wird. Seine Geschichte soll Mut machen, eigene Wege zu gehen und Sanierung nicht als starres Regelwerk, sondern als durchdachten Prozess zu verstehen.