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Festival für Filmliebhaber: 72. Internationale Kurzfilmtage
Wenn sich Ende April die internationale Filmszene in Oberhausen versammelt, steht die Stadt ganz im Zeichen der kurzen Form: Vom 28. April bis 3. Mai 2026 finden die 72. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen statt.
7.600 Einreichungen aus 124 Ländern sind eingegangen. Das Filmmaterial summiert sich auf 116.200 Minuten – mehr als 80 Tage Film. Für die Sichterinnen und Sichter, 18 Personen in den diversen Auswahlkommissionen, ist das ein enormer Aufwand. Susannah Pollheim, kaufmännische Leitung, ordnet ein: „Diese Anzahl an Einreichungen stellt uns schon vor gewisse Herausforderungen. Es sind etwa 20 Prozent mehr als im Vorjahr.“ In den Wettbewerben werden voraussichtlich knapp 140 Filme laufen, ungefähr 350 weitere in den thematischen Programmen.
Auch Pressesprecherin Sabine Niewalda betont die Bedeutung: „Die Kurzfilmtage strahlen in die ganze Welt. Es ist schön zu sehen, wie das Festival angenommen wird.“
Inhaltlich widmet sich die 72. Ausgabe einem Thema, das so alt ist wie das Kino selbst: dem Verhältnis von Realität und Fiktion. Gerade im Dokumentarfilm stellt sich die Frage: Wie wurde – und wird – mit Wahrheit umgegangen? Die Auseinandersetzung reicht von den frühen Filmen bis in eine Gegenwart, in der künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten und Unsicherheiten schafft.
Bei den „Profilen“ wird etwa „Les films de la maison“ vorgestellt, eine belgische Produktionsfirma, die intensiv mit Geflüchteten arbeitet. Zudem wird das Filmschaffen der österreichischen Künstlerin Linda Bilda neu entdeckt: In ihrem Nachlass gefundene Arbeiten werden erstmalsöffentlich gezeigt. Die Wettbewerbe bilden das Herzstück: Internationaler, Deutscher und NRW-Wettbewerb sowie der Kinder- und Jugendfilmwettbewerb mit über 800 Produktionen. Vom 1. bis 3. Mai gibt es ein Familienprogramm ab drei Jahren; auch Kitas sind stark vertreten.
Ein Highlight ist erneut der MuVi-Preis: Am 2. Mai laufen die nominierten Musikvideos im Kino. Bereits ab dem 2. April sind sie online abrufbar, das Publikum kann abstimmen. Ergänzt wird das Programm durch internationale Musikvideos sowie den MuVi-Preis ab 14 Jahren.
Mit „Zeig mal Film!“ richten sich die Kurzfilmtage an die nächste Generation. Gefördert durch den Kulturrucksack NRW und unterstützt vom Kulturbüro Oberhausen stellen Jugendliche ihr eigenes Filmprogramm zusammen. Partnerschulen sind die Anne-Frank-Realschule und die Brüder-Grimm-Schule.
Die „Oberhausener Auswahl“ wird von Seniorinnen und Senioren kuratiert und geht im Herbst auf Tour. „Wir bringen so Film zu den Menschen, die vielleicht nicht mehr zum Festival kommen können“, so Niewalda.
Festivalzentrum ist das Zentrum Altenberg. Der Festivalspace in der Galerie Kir lädt zu Diskussionen ein. Das Büro ist im Bert-Brecht-Haus, Spielorte sind im Walzenlagerkino und in der Lichtburg. Auch analoge Vorführungen auf 16 oder 35 Millimeter stehen auf dem Programm.
Ab Mitte April sind Karten erhältlich, weitere Infos unter www.kurzfilmtage.de