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HEILE WELT …? St. Antony-Hütte zeigt neue Fotoausstellung zur Kindheitsgeschichte im Ruhrgebiet

Gemeinsam mit dem Essener Ruhr Museum präsentiert das LVR- Industriemuseum St. Antony-Hütte derzeit seine neue Sonderausstellung „Heile Welt …? Kinderleben an Ruhr und Emscher 1900–1960“. 50 ausgewählte Fotografien aus den beiden großen Bildarchiven geben einen Einblick in die vielfältigen Lebenswelten von Kindern in der Region um Oberhausen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

27.07.2023

Ob beim Kinderfest, auf der Kirmes, beim Spielen auf der Straße oder beim Baden im Rhein-Herne-Kanal – auf den ersten Blick sind es Bilder einer glücklichen und wohlbehüteten Kindheit, die von den Fotografinnen und Fotografen festgehalten wurden. Schaut man jedoch genauer hin, verraten die Fotografien, dass die Realität um einiges vielschichtiger war, als die heile Welt, die einige der Aufnahmen andeuten. Denn die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war von großen Umbrüchen und Kontrasten geprägt. Ernste und idyllische Lebensumstände lagen nah beieinander und spiegelten sich in der zeitgenössischen Fotografie. Besonders die beiden Weltkriege hatten großen Einfluss, gerade auch auf das Leben der Kinder. Während ein Foto aus der Zeit des Ersten Weltkriegs Kinder friedlich beim Spielen zeigt, dokumentiert eine andere Aufnahme aus derselben Zeit junge Lehrlinge, selbst noch Kinder, beim Granatenbau bei der Gutehoffnungshütte in Sterkrade. Und während einige Mädchen begeistert bei einem nationalsozialistischen Erntedankfest die Arme recken, sitzen ihre Altersgenossen wenige Jahre später verängstigt in einem Zechenschacht der GHH, der als Bunker dient.

Die historischen Fotografien reichen bis in die Zeit des Deutschen Kaiserreichs zurück. Sie begleiten Generationen von Kindern durch die unterschiedlichen Lebensstationen. Sei es auf der Schulbank, beim Besuch der Kirmes auf der Raupe, in der improvisierten Seifenkiste, bei der Mutprobe oder beim Eintritt ins Arbeitsleben – die Aufnahmen stellen ein Kaleidoskop der vielfältigen Lebenswelten von Kindern vor der Kulisse des Ruhrgebiets dar. Die Bilder wurden aus den Beständen des Ruhr Museums in Essen und des LVR-Industriemuseums in Oberhausen ausgewählt, so aus dem historischen Bildarchiv der Gutehoffnungshütte (GHH). Ergänzt werden sie um Presse- und Autorenfotografie aus dem Fotoarchiv des Ruhr Museums mit Bildern von Willy van Heekern, Rudolf Holtappel oder Marga Kingler sowie dem LVR-Industriemuseum mit Aufnahmen von Anne Winterer oder Fritz Henle.

Die Ausstellung ist ein ganzes Jahr bis zum 16. Juni 2024 zu sehen und dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Die Motive der Ausstellung erscheinen in einer Begleitbroschüre (7,95 Euro). Alle weiteren Informationen auf www.industriemuseum.lvr.de