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100 Jahre Stadion Niederrhein
Ob Fußballspiele vor zehntausenden Menschen, Motorsportveranstaltungen vor begeistertem Publikum oder Bundesjugendspiele für den Oberhausener Nachwuchs: Das Stadion Niederrhein gehört seit einem Jahrhundert zu den prägenden Wahrzeichen der Stadt, ist für viele Anhänger des SC Rot-Weiß Oberhausen sogar „das schönste Stadion der Welt“.
Die Geschichte der Sportstätte auf der schmalen Emscherinsel zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal reicht noch weiter zurück: Bereits um 1900 spielten junge Männer auf Wiesen in Buschhausen Fußball, unter ihnen Edmund Hendus. Der spätere Lehrer, Rektor und Vorsitzende des Stadtverbandes für Leibesübungen gilt als geistiger Vater der Anlage. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte er sich beharrlich für den Bau einer zentralen Sportstätte ein, die verschiedenen Sportarten in der aufstrebenden Stadt Oberhausen – noch vor dem Zusammenschluss mit Sterkrade und Osterfeld – eine Heimat bieten sollte.
MIT VERZÖGERUNGEN GEHT ES LOS
Politische Krisen, wirtschaftliche Schwierigkeiten und die Ruhrbesetzung durch französische und belgische Truppen verzögerten das Projekt. Erst am 27. Juni 1924 erfolgte der Spatenstich. Stadion, Terrassenanlagen und ein angrenzendes Schwimmstadion entstanden im Rahmen der „Produktiven Erwerbslosenfürsorge“. Mehr als 800 zuvor arbeitslose Arbeiter waren beteiligt. Entworfen wurde die Anlage von den Kölner Architekten Nußbaum und Wilkens, die auch das „Stadion am Zoo“ in Wuppertal planten. Am 28. Februar 1926 fanden sich erstmals Zuschauer (22.000) im Rund ein, als sich der Duisburger Spielverein und Arminia Bielefeld in einem Endrundenspiel um die Westdeutsche Meisterschaft gegenüberstanden. Eröffnet wurde die Anlage schließlich am 24. Mai 1926 (Pfingstmontag) als „Städtisches Stadion am Grafenbusch“. Ehrengast war der 1. FC Nürnberg, der eine Oberhausener Stadtauswahl mit 6:0 besiegte. 1927 wurde der Name „Stadion Niederrhein“ offiziell bestätigt. Mit Tribüne, 13 Terrassen und fast 30.000 Plätzen galt das Stadion als modernes „Schmuckkästchen“. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte es sich zu einer der bedeutendsten Sportstätten der Region. Neben Fußball fanden Feldhandball, Leichtathletik, Schwimmveranstaltungen, Boxkämpfe sowie Sandbahn- und Speedwayrennen statt. Den größten Andrang gab es am 18. Juni 1950 beim Meisterschaftsspiel zwischen Kickers Offenbach und Preußen Dellbrück mit 44.631 Zuschauern. Auch Handballendspiele mit über 30.000 Besuchern und internationale Wettkämpfe prägten die Geschichte. Die Lage brachte jedoch Probleme: Bergsenkungen durch den Bergbau der Zeche Concordia, hoher Grundwasserspiegel und sandiger Untergrund setzten dem Bauwerk zu. Tribünen mussten mehrfach unterfüttert werden, zeitweise war das Spielfeld so stark geneigt, dass eine Halbzeit „bergauf“ gespielt wurde.
DEM STADION GEHT EIN LICHT AUF
Mit dem Bundesligaaufstieg des SC Rot-Weiß Oberhausen Ende der 1960er-Jahre wurde modernisiert. 1970 erhielt das Stadion eine 1,4 Millionen Mark teure Flutlichtanlage, zeitweise eine der hellsten Europas. In den folgenden Jahrzehnten folgten weitere Umbauten, darunter 1996 die Überdachung der Gegengeraden und die Neugestaltung der Haupttribüne. Das Schwimmstadion verschwand Anfang der 2000er-Jahre. 2017 und 2018 wurde die Emscherkurve, Heimat der treuesten RWO-Fans, begradigt und eine neue überdachte Stehtribüne errichtet. Die Leichtathletikanlagen wichen – der Weg zur reinen Fußballarena war vollzogen. Vom ursprünglichen Erscheinungsbild ist heute nur noch wenig erhalten. Die markanten Zwiebeltürmchen der Haupttribüne verschwanden nach dem Zweiten Weltkrieg. Geblieben ist der weithin sichtbare Uhrenturm, bis heute Wahrzeichen des Stadions.
Auch noch in 100 Jahren?