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WIEDERSEHEN MIT PIPPI UND MICHEL
Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, Karlsson vom Dach oder Ronja Räubertochter: Die Figuren von Astrid Lindgren gehören für viele Generationen zum eigenen Kindheitserinnerungsschatz. In der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen lässt sich diese Welt jetzt neu entdecken. Die Ausstellung „Pustekuchen, Schabernack und Plutimikation – Astrid Lindgrens Welt in Bildern“ richtet den Blick nicht auf Lindgrens Geschichten selbst, sondern auf diejenigen, die ihnen ein Gesicht gegeben haben: die Illustratorinnen und Illustratoren.
Mehr als 300 originale Zeichnungen und Illustrationen sind bis zum 17. Januar 2027 zu sehen. Die Schau vereint erstmals die wichtigsten Künstlerinnen und Künstler, die im deutschsprachigen Raum das Bild von Pippi, Michel, Lotta und Co. geprägt haben. Zu ihnen zählen unter anderem Jutta Bauer, Björn Berg, Katrin Engelking, Eva Eriksson, Horst Lemke, Rolf Rettich, Maria Nilsson Thore, Marit Törnqvist und Ilon Wikland. Die Originale stammen unter anderem aus Schweden und Estland sowie aus Sammlungen der Silke-Weitendorf-Stiftung, des Bilderbuchmuseums Troisdorf und aus privaten Beständen. „Wir wollen die Menschen mit dem abholen, was sie kennen“, erklärt Dr. Sarah Hülsewig. Gemeinsam mit Linda Schmitz-Kleinreesink hat sie die Ausstellung kuratiert. Die Werke sind nicht chronologisch angeordnet, sondern nach den einzelnen Büchern und Figurenwelten gegliedert. So können Besucherinnen und Besucher zu ihren persönlichen Favoriten aufbrechen – nach Bullerbü, Lönneberga, Birkenlund oder in die Villa Kunterbunt.
EIGENE ZUGÄNGE ZU DEN GESCHICHTEN
Die Ausstellung macht sichtbar, wie stark Illustrationen unsere Vorstellung von literarischen Figuren prägen. Mit Tusche, Aquarell, Acryl oder Collage haben die Künstlerinnen und Künstler ihre eigenen Zugänge zu den Geschichten gefunden. Besonders spannend ist der Blick auf die Veränderungen über die Jahrzehnte. Pippi Langstrumpf etwa erschien bislang in drei deutschen Ausgaben mit Illustrationen von Ingrid Vang Nyman, Rolf Rettich und Walter Scharnweber. Das schwedische Original zeigte Pippi noch so exotisch, dass der Oetinger Verlag zunächst eine andere Darstellung für die erste deutsche Ausgabe von 1949 bevorzugte. Die Ausstellung gibt Einblicke in diese Entwicklung und zeigt, wie sich das Bild der bekannten Figuren gewandelt hat. Ein Beispiel: Bei Horst Lemkes Illustrationen zu „Rasmus und der Landstreicher“ wird die Bildebene an das Deutschland der Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs angepasst. Polizisten tragen dort etwa eine Pickelhaube. Das Buch selbst spielt im Schweden der 1920er-Jahre.
Astrid Lindgren ließ ihren Illustratorinnen und Illustratoren grundsätzlich viel Freiheit. Nur selten griff sie selbst in deren Arbeit ein. Von Ilon Wikland sind zwei Fälle bekannt, in denen Lindgren konkrete Vorstellungen hatte – beim Aussehen von Karlsson vom Dach und Ronja Räubertochter. Wikland war eine enge Freundin der Autorin und prägte mit ihren Bildern viele Lindgren-Geschichten. Auch die Entstehung einzelner Illustrationen steckt voller Geschichten. Marit Törnqvist kam über ihre Mutter, die Lindgrens Werke ins Niederländische übersetzte, früh mit der Autorin in Kontakt. Für die Illustrationen zu „Im Land der Dämmerung“ gingen Lindgren und Törnqvist gemeinsam auf Inspirationssuche – im Heißluftballon über Stockholm. Dass die ausgestellten Originale häufig kleinformatig sind, hat einen historischen Grund: In der Nachkriegszeit herrschte Papiermangel, entsprechend besaßen viele Bücher nur wenige Illustrationen. Die Ausstellung zeigt zudem, wie aus Romanen teilweise Bilderbücher wurden und wie neuere Illustratorinnen und Illustratoren die Geschichten mit zeitgemäßen Bildsprachen interpretieren. Die neuesten Arbeiten stammen aus dem Jahr 2025 und illustrieren Neuauflagen der Bullerbü-Bücher.
IM NOVEMBER AUF DER THEATERBÜHNE ZU SEHEN
Puppen des Düsseldorfer Marionetten-Theaters, die ursprünglich im Zusammenhang mit einer Bühnenfassung von „Ronja Räubertochter“ entstanden sind, ergänzen die Originalzeichnungen und erinnern daran, wie Lindgrens Geschichten für die Bühne adaptiert wurden. Die Verbindung reicht bis nach Oberhausen: Am 21. November feiert am Theater Oberhausen „Pippi Langstrumpf“ Premiere. Für die LUDWIGGALERIE ist die Ausstellung zugleich wissenschaftliches Neuland. „Wir leisten Pionierarbeit. Über Lindgren wurde viel geschrieben und geforscht, aber nicht über die Illustrationen“, sagt Kuratorin Hülsewig. Im November widmet sich ein Symposium einem Fachpublikum und vertieft die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Astrid Lindgrens Bilderwelt. Auch jüngere Besucherinnen und Besucher werden angesprochen. Zwei Audioguides begleiten die Ausstellung, einer davon richtet sich speziell an Kinder. Ein Mitmachzettel lädt dazu ein, die Ausstellung spielerisch zu erkunden. Begleitend erscheint im Hirmer Verlag ein Katalog. Darin geht es unter anderem um Lindgrens Gesamtwerk, die Rezeption ihrer Bücher in der DDR oder aktuelle Debatten über historische Bezeichnungen in den Büchern. Hierzu äußert sich die langjährige Verlegerin der Werke im Oetinger Verlag Silke Weitendorf in einem Interview.
„Pustekuchen, Schabernack und Plutimikation – Astrid Lindgrens Welt in Bildern“ ist bis zum 17. Januar 2027 in der LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46, zu sehen. Geöffnet ist die Schau dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 6 Euro. Öffentliche Führungen finden jeden Sonn- und Feiertag um 11.30 Uhr statt.
Weitere Informationen und das begleitende Programm gibt es unter www.ludwiggalerie.de.