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Die Ehrenamtlichen der Notfallseelsorge
Wenn das Leben von einer Sekunde auf die nächste aus den Fugen gerät, wenn Worte fehlen und der Boden unter den Fü.en zu schwanken beginnt, dann sind sie da: Heinz-Dieter Wilmsen und Ellen Müllejans. Mit stiller Präsenz, offenem Herzen und tragender Ruhe begleiten sie Menschen durch die dunkelsten Stunden ihres Lebens. Sie hören zu, halten aus, spenden Trost. Als zwei von rund 100 ehrenamtlichen evangelischen und katholischen Notfallseelsorgerinnen und -seelsorgern in Mülheim, Essen und Oberhausen stehen sie Betroffenen bei, wenn das Unfassbare geschieht
„Ich war 42 Jahre selbstständig. Nach der Geschäftsaufgabe fragte ich mich, wohin mein Leben führen soll“, erklärt Wilmsen. In einem Schweigekloster in Norwegen, auf einem angeschwemmten Stuhl an einem Fjord sitzend, kam ihm der Gedanke, sich ehrenamtlich in der Notfallseelsorge zu engagieren. „Daraufhin meldete ich mich für die Ausbildung an.“
Diese absolvierte Ellen Müllejans bereits einige Jahre zuvor. Nach der Pflege ihrer Großmutter engagierte sie sich als Demenz- und Hospizbegleiterin, bevor sie Notfallseelsorgerin wurde. Beide eint der Wunsch, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. „Unsere Tätigkeit gibt uns viel“, sagt Wilmsen.
Alarmiert werden sie ausschließlich durch Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste. Im Mittelpunkt stehen Zuhören, Aushalten von Schweigen und Stabilisieren der Betroffenen. Ziel ist es, in der ersten Schockphase Orientierung, Sicherheit und Nähe zu geben.
„Die Ausbildung gibt uns ein Rüstzeug an die Hand. Aber jeder Fall ist anders“, führt Müllejans an. Zwei bis drei Stunden kann ein Einsatz dauern, bei größeren Unfällen mit mehreren Betroffenen auch länger. „Wir bleiben so lange da, bis Freunde oder Familienangehörige eintreffen. Wir lassen niemanden allein.“
Achtsamkeit sei immens wichtig. „Im Nachgang fertigen wir ein Ablaufprotokoll an, um die Begegnung noch einmal durchzuspielen“, erläutert Heinz-Dieter Wilmsen. „Es gibt immer jemanden, an den wir uns wenden können.“
Interessierte am Ehrenamt der Notfallseelsorge können sich entweder bei Iris Stratmann (Koordinatorin der Notfallseelsorge MEO, Mülheim, Essen, Oberhausen) unter 0160 94744792, iris.stratmann@kirche-oberhausen.com oder bei Bernd Malecki (Bistum Essen) unter 0171 5717175, bernd.malecki@bistum-essen.de melden.