Stadtgespräch

Stadt gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

Bewegendes Erinnern: Oberbürgermeister Schranz mahnte, Antisemitismus entgegenzutreten. Schülerinnen und Schüler gestalteten Feierstunde.

Mit einer bewegenden Feierstunde hat die Stadt Oberhausen am Freitag in der Gesamtschule Osterfeld den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Schülerinnen und Schüler von neun Oberhausener Schulen gestalteten das Gedenken, zu dem zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der jüdischen Gemeinden, aus Politik, Verwaltung und der Bürgerschaft gekommen waren. International wird am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, an die vielen Millionen Menschen erinnert, die das NS-Regime zwischen 1933 und 1945 entrechtete, verfolgte, quälte und ermordete.

27.01.2023
Foto: Stadt Oberhausen/Tom Thöne

Dass das Gedenken in den Oberhausener Schulen weiter einen sehr hohen Stellenwert hat, zeigte das Programm der Feierstunde. Schülerinnen und Schüler der gastgebenden Gesamtschule Osterfeld, der Gesamtschule Weierheide, der Fasia-Jansen-Gesamtschule, der Anne-Frank-Realschule, des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums, des Heinrich-Heine-Gymnasiums, des Sophie-Scholl-Gymnasiums, des Elsa-Brändström-Gymnasiums und des Hans-Sachs-Berufskollegs hatten Beiträge vorbereitet – vom Theaterstück über Wortbeiträge und einer Kunstausstellung bis zu Musikvideos.

Der Schwerpunkt der Beiträge lag in Geschichten, in denen es um Oberhausener Opfer oder um Anne Frank oder Sophie Scholl ging, aber auch Diskriminierung in der Gegenwart war Thema. Aus der Gesamtschule Osterfeld war in den Tagen unmittelbar vor dem 27. Januar noch eine Schulgruppe in die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora gereist und brachte ihre Eindrücke davon in die Gedenkfeier ein. Andere Schülerinnen und Schüler berichteten von ihren beklemmenden Erfahrungen bei den Besuchen des Vernichtslagers Auschwitz oder des Konzentrationslagers im belgischen Fort Breendonk.

Oberbürgermeister Daniel Schranz erinnerte exemplarisch für die Oberhausener und alle Opfer des Holocaust an die jüdische Familie Wolf, die bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten über Generationen in Holten gelebt hatte. 1942 wurde die ganze Familie – Vater Julius, Mutter Alice, der 17-jährige Kurt und die zwölfjährige Hannelore – ins Vernichtungslager Trostinez bei Minsk deportiert und nach wenigen Tagen dort ermordet. Schranz erinnerte aber auch daran, dass Antisemitismus kein Phänomen der Vergangenheit ist: „Wir müssen allen Formen des Antisemitismus entgegentreten. Wir müssen deutlich machen, dass wir diese und andere Formen der Ausgrenzung in unserer Gesellschaft nicht dulden“, mahnte der Oberbürgermeister.

Der Leiter der Gesamtschule Osterfeld betonte ebenfalls, warum das Gedenken der Opfer der Vergangenheit auch für die Zukunft wichtig ist: „Die Erinnerung an den Holocaust macht uns auch wachsam dafür, dass Menschen heute und in der Zukunft nicht ausgegrenzt und als vermeintlich ungleichwertig benachteiligt, unterdrückt und getötet werden dürfen“, Dr. Gregor Weibels-Balthaus in seiner Rede.

Die Feierstunde war seit Beginn der Pandemie die erste, die wieder im großen Rahmen begangen werden konnte. „Ein besonderer Dank gebührt dem Kollegium und der Schülerschaft der Gesamtschule Osterfeld, die mit viel Engagement und vielen neuen Impulsen einen würdigen Rahmen für die Gedenkfeier bereitet haben“, sagte Gedenkhallen-Leiter Clemens Heinrichs.