Gutes Leben | Stadtgespräch

Nur 23.500 Wohnungen in Oberhausen haben das Top-Kriterium fürs Wohnen im Alter: gut begehbare Duschen

Längst nicht alle Wohnungen sind fit fürs Alter: Von den knapp 112.100 Wohnungen in Oberhausen sind nur rund 5.300 so gebaut, dass ältere Menschen darin ideal klarkommen. Gerade dann, wenn sie auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. „Damit bieten nur rund 5 Prozent aller Wohnungen in Oberhausen den Standard, der nötig ist, um mit körperlichen Einschränkungen oder auch als Pflegefall darin alt zu werden“, sagt Matthias Günther. Er ist Leiter des Pestel-Instituts. Dessen Wissenschaftler haben im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) eine regionale Wohnungsmarkt-Analyse gemacht.

25.06.2026

Im Fokus der Untersuchung: die „Alterstauglichkeit“ der Wohnungen. „Gerade die ist auch für Oberhausen wichtig: Immerhin gehen hier in den nächsten zehn Jahren rund 33.400 Menschen in Rente – die Baby-Boomer nämlich“, sagt Katharina Metzger vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel. Ziel müsse es deshalb sein, möglichst schnell für mehr Seniorenwohnungen in Oberhausen zu sorgen. „Denn die werden früher oder später gebraucht. Und auf Dauer ist jede altersgerechte Sanierung günstiger als ein Umzug ins Heim“, so BDB-Präsidentin Metzger.

Schon rein volkswirtschaftlich müsse der Staat also ein Interesse daran haben, mehr Seniorenwohnungen zu schaffen. „Vor allem aber geht es um den Wunsch der Menschen selbst: Die meisten wollen in den eigenen vier Wänden alt werden und, solange es geht, zu Hause bleiben“, sagt Katharina Metzger.

Das funktioniert aber nur, so das Pestel-Institut, wenn gerade Altbauwohnungen fürs Wohnen im Alter umgebaut werden: „Wichtig sind wenig Barrieren – also möglichst keine Schwellen, Stufen oder ganze Treppen. Aber auch breite Türen und viel Platz, um sich mit einem Rollator oder Rollstuhl frei bewegen zu können. Vor allem im Bad und in der Küche ist das wichtig. Genau die sind aber oft zu klein gebaut.“

Doch das Problem fängt häufig schon ganz vorne an – beim Eingang: „28 Prozent aller Hausflure in Oberhausen sind nicht breit genug, um mit dem Rollstuhl wirklich gut durchzukommen. Das betrifft immerhin rund 28.100 Wohnungen“, sagt Matthias Günther. Oft seien sogar schon die Haustüren zu schmal.

Entscheidend wird es, so das Pestel-Institut, dann aber in den Wohnungen – vor allem in der Küche und im Bad: „Immerhin haben zwar 68 Prozent der Wohnungen in Oberhausen eine Küche, die groß genug ist. Das bedeutet umgekehrt aber auch: In rund 36.100 Küchen können Menschen mit einem Rollstuhl nicht wenden“, so Matthias Günther. Bei den Bädern in Oberhausen seien 53.300 und damit 48 Prozent zu klein.

Der wichtigste Punkt beim Badezimmer sei allerdings nicht unbedingt dessen Größe, sondern eine begehbare, also bodengleiche Dusche: „Die gibt es aktuell nur in rund 23.500 Wohnungen in Oberhausen“, so der Wissenschaftler. Damit erfüllten lediglich 21 Prozent der Wohnungen „das A-und-O-Kriterium, um in der eigenen Wohnung alt werden zu können“, so Matthias Günther.

Der Chef-Ökonom des Pestel-Instituts rät, beim altersgerechten Umbau von Wohnungen „unbedingt das Bad anzupacken“. Probleme könne es allerdings bei älteren Gebäuden geben: „Gerade bei Wohnhäusern aus den 50er-Jahren ist oft die Decke zu dünn, um eine bodengleiche Dusche einzubauen“, sagt Günther.

Grundsätzlich habe Oberhausen einen „enormen Nachholbedarf, um den Wohnungsbestand fit fürs Alter zu machen“, so der Leiter des Pestel-Instituts. Genau hier sieht auch die Präsidentin des Deutschen Baustoff-Fachhandels ein Problem: „In den nächsten zehn Jahren gehen die Baby-Boomer komplett in Rente. Der Bedarf an Senioren-Wohnungen, den Oberhausen in den kommenden Jahrzehnten damit haben wird, ist also enorm. Neubau kann da zwar helfen. Aber die Lösung liegt ganz klar im seniorengerechten Umbau der Wohnungen, in denen die Boomer heute wohnen“, sagt Katharina Metzger.

Der altersgerechte Umbau sei jahrzehntelang zu kurz gekommen. Daher sei jetzt eine „Senioren-Umbau-Offensive“ dringend notwendig. „Das bedeutet: volle Kraft für den barrierearmen Umbau von Wohnungen. Die Mieter, Wohnungs- und Hauseigentümer in Oberhausen brauchen dafür allerdings Rückenwind aus Berlin: ‚Boomer-Zuschüsse‘, mit denen sich aus Standard-Wohnungen mit Stufen und Stolperschwellen an der Dusche endlich barrierearme Wohnungen machen lassen“, so Katharina Metzger.

Die Wissenschaftler vom Pestel-Institut fordern dazu, der Bund müsse einen Großteil der Umbaukosten übernehmen – und zwar als Zuschuss. „Denn wer kurz vor der Rente seine Wohnung altersgerecht umbauen will, der scheut sich, dafür noch einen Kredit aufzunehmen. Und die heute gängige staatliche Unterstützung von 10 Prozent beim Bad-Umbau ist nichts anderes als ein ‚Placebo-Zuschuss‘. Der reicht auf keinen Fall, um eine effektive Umbauwelle fürs Seniorenwohnen in Deutschland loszutreten“, sagt Institutsleiter Matthias Günther.

Auch der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel erteilt dem „bestehenden Mix aus Fördertöpfen“ für den altersgerechten Umbau eine klare Absage: „Die staatliche Förderbank KfW, die Krankenkassen, die Pflegeversicherung – durch das Förder-Dickicht muss man sich erst einmal durchkämpfen. Der Sanierungsschub, der dringend notwendig ist, kommt so jedenfalls nicht zustande“, kritisiert Verbandspräsidentin Metzger. Der Bund müsse das altersgerechte Umbauen endlich zum Schwerpunkt seiner Wohnungsbaupolitik machen und dafür einen „milliardenschweren Zuschuss“ bereitstellen.


Stadtgespräch

Stadt Oberhausen fördert Projekt für mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Raum – Rollstuhlnutzende können sich beteiligen

Wie barrierefrei ist der Weg zur Bushaltestelle, zum Supermarkt, zur Arztpraxis oder in den Park wirklich? Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen entscheidet diese Frage oft darüber, ob sie selbstständig am Alltag teilnehmen können. Mit dem Projekt Accessible City, was für eine zugängliche Stadt steht, sollen Barrieren im öffentlichen Raum künftig besser erkannt und gezielter abgebaut werden. Das Projekt wird vom Co-Creation-Fund: Gemeinsam smart der Stadt Oberhausen und dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen gefördert.

25.06.2026
Alexandra Reichart, Matthias Krauß

Accessible City entwickelt eine datenbasierte Lösung für mehr Barrierefreiheit in Städten. Gemeinsam mit Rollstuhlnutzenden werden alltägliche Wege erfasst. Die App zeichnet Bewegungsdaten auf und hilft dabei, Hindernisse und schwierige Wegeführungen sichtbar zu machen. Dazu können zum Beispiel zu hohe Bordsteine, kaputtes Pflaster, fehlende Absenkungen, Baustellen ohne geeignete Umleitung oder andere Hindernisse gehören.

 

Die Daten werden anonymisiert ausgewertet. Rückschlüsse auf einzelne Personen sind nicht möglich. Ziel ist es, aus einzelnen Alltagserfahrungen ein genaueres Bild davon zu bekommen, wo Barrieren im Stadtgebiet bestehen und wo Verbesserungen besonders wichtig sind.

 

Der Handlungsbedarf ist groß. Laut Statistischem Bundesamt leben in Deutschland rund 7,9 Millionen schwerbehinderte Menschen. Viele Menschen sind auf Rollstühle, Rollatoren oder andere Gehhilfen angewiesen. Durch den demografischen Wandel wird die Zahl der Menschen mit Mobilitätseinschränkungen weiter steigen. Barrierefreiheit ist deshalb nicht nur ein Thema für einzelne Gruppen, sondern ein wichtiger Bestandteil einer lebenswerten Stadt für alle Generationen.

 

Städte wollen Barrieren abbauen. In der Praxis fehlt jedoch häufig eine genaue Datengrundlage. Nicht immer ist bekannt, welche Wege im Alltag tatsächlich genutzt werden, wo Hindernisse regelmäßig auftreten und welche Maßnahmen besonders dringend sind. Hier setzt das Projekt an.

In der ersten Projektphase wurde bereits ein App-Prototyp entwickelt. Erste Testdaten wurden erhoben und ein Netzwerk aus Partnerinnen, Partnern und Fachleuten aufgebaut. In der aktuellen Phase wird das Projekt weiterentwickelt. Neben der App entsteht eine Analyseplattform, die die gesammelten Daten in Karten, Auswertungen und konkrete Entscheidungsgrundlagen überführt. Diese Informationen können später unter anderem von Verwaltung, Stadtplanung und Öffentlichkeit genutzt werden, um Barrierefreiheit gezielter zu verbessern.

 

Das Projekt wird aktuell unter anderem in Oberhausen erprobt. Weitere Rollstuhlnutzende werden gesucht, die die App im Alltag testen und ihre Erfahrungen einbringen möchten. Wer mitmacht, hilft dabei, Barrieren sichtbar zu machen und die Stadt Schritt für Schritt zugänglicher zu gestalten.

Die Teilnahme ist freiwillig. Interessierte können die App nutzen, Wege aufzeichnen und Rückmeldungen geben: Was funktioniert gut? Wo gibt es Schwierigkeiten? Welche Funktionen fehlen noch? Das Projektteam unterstützt bei Bedarf beim Einstieg und bei der Installation der App.

 

Weitere Informationen zum Projekt und zur Teilnahme gibt es unter accessible-city.de oder per E-Mail an info@accessible-city.de.

Das Reel zum Projekt ist auf YouTube abrufbar: Stadt Oberhausen fördert Projekt für mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Raum – YouTube

Gutes Leben | Stadtgespräch

Zuschüsse für Maßnahmen zur Barrierereduzierung

Die Wohnberatung des Fachbereichs Ältere Menschen, Pflegebedürftige und behinderte Menschen der Stadt Oberhausen informiert darüber, dass ab sofort wieder unabhängig vom Alter Zuschüsse für Maßnahmen zur Barrierereduzierung (455-B) bei der KfW beantragt werden können.

21.04.2026

Private Eigentümer oder Mieter, die Barrieren in ihrer Wohnung reduzieren und mehr Wohnkomfort schaffen oder barrierearmen umgebauten Wohnraum kaufen möchten, können einen Zuschuss für Einzelmaßnahmen bis zu 2.500 Euro sowie bei der Förderung „Altersgerechtes Haus“ bis zu 6.250 Euro erhalten.

 

Der Antrag bei der KfW-Bank muss unbedingt vor Baubeginn gestellt werden. Zu den förderfähigen Maßnahmen zählen unter anderem der Abbau von Barrieren, wie etwa der Einbau einer bodengleichen Dusche, das Entfernen von Schwellen oder die Überwindung von Treppen durch einen Treppenlifts. Bei jeder Modernisierung und jedem Umbau empfiehlt es sich, die verschiedenen KfW-Förderprogramme zu berücksichtigen. Sie können dazu beitragen, vorhandene Barrieren abzubauen und den Einbruchschutz sowie die Energieeffizienz nachhaltig zu verbessern.

 

Die Wohnberatung der Stadt Oberhausen informiert kostenlos und neutral über die verschiedenen Fördermöglichkeiten, die jeweiligen Voraussetzungen und welche Gesichtspunkte zu beachten sind. Kontakt können Interessierte telefonisch (0208 825-4120) oder per E-Mail (wohnberatung@oberhausen.de) aufnehmen.

Stadtgespräch

Europäische Mobilitätswoche 2023 in Oberhausen

In der Europäischen Mobilitätswoche von Samstag, 16. September 2023, bis Freitag, 22. September 2023, ruft die EU-Kommission Städte in ganz Europa zum Austesten nachhaltiger Mobilitätskonzepte auf. Das Motto „Mix and Move! – klimafreundlich mobil“ lädt Bürgerinnen und Bürger dazu ein, Verkehrsräume als attraktive Aufenthaltsräume neu zu erleben und Mobilitätsalternativen zum Verbrenner-Pkw auszuprobieren. Oberhausen ist zum zweiten Mal mit dabei und bietet Aktionen in Alt-Oberhausen, Osterfeld und Sterkrade an.

11.09.2023

Die Europäische Mobilitätswoche 2023 in Oberhausen ist ein gemeinschaftlich umgesetztes Projekt vieler Aktionspartner: Angestoßen wurde die Teilnahme vom Arbeitsgremium Klimaneutrales Oberhausen, kurz AKO, welches sich für die Umsetzung nachhaltiger Projekte in Oberhausen einsetzt. Das Engagement der Stadtteilbüros, die einen Großteil der Organisation übernommen haben, trug zu dem vielseitigen Programm maßgeblich bei. Das Aktionsprogramm beinhaltet folglich Aktionen in allen drei Stadtteilen und es spricht unterschiedliche Zielgruppen an.

Auftakt in Alt-Oberhausen – Spiel und Spaß am Verkehrsversuch

Zum Start der Europäischen Mobilitätswoche am Samstag, 16. September, dreht sich in der Gutenbergstraße alles um die Frage, wie sich attraktive Straßenräume gestalten und bespielen lassen. Hierzu werden am Altmarkt verschiedene Spielangebote vom Kinderbüro und drei Minigolfbahnen des Kreativlabors aufgebaut. Kitev (Kultur im Turm e.V.) versorgt von 10 bis 13 Uhr die Marktbesucherinnen und -besucher mit frischen Waffeln und lädt dazu ein, sich mit dem Stadtteilbüro Brückenschlag und den Mitarbeitenden der Stadt über die Anregungen zur Entwicklung des Altmarktes auszutauschen.

Aktionen in Sterkrade zum Thema „Mobilität für alle!“

Unter dem Motto „Mobilität für alle!“ beteiligt sich auch der Stadtteil Sterkrade mit einer Mitmach-Aktion an der europäischen Mobilitätswoche. Dazu gibt es am Mittwoch, 20. September, in der Zeit von 10 bis 13 Uhr auf dem Arnold-Rademacher-Platz gegenüber dem Bahnhof Sterkrade verschiedene Angebote zu Mobilität im Alter und Barrierefreiheit. Neben einem Rollator-Training des Oberhausener Verkehrsunternehmen STOAG und einem Rollstuhl-Testparcours des Sanitätshauses Willecke gibt es auch Fahrten mit einer Fahrrad-Rikscha. Der E-Scooter-Anbieter LIME berät, was es beim Leihen und Abstellen ihrer E-Tretroller zu beachten gibt, damit sie kein Hindernis für andere darstellen. Die Aktion richtet sich ausdrücklich an alle interessierten Oberhausenerinnen und Oberhausener, die gerne auf ein Stück Kuchen am Aktionsstand vorbeikommen möchten!

Info- und Mitmachstand zu Elektromobilität in Osterfeld

Getreu dem diesjährigen Jahresthema der Europäischen Mobilitätswoche Save Energy! dreht sich am Freitag, 22. September, in Osterfeld alles um Elektromobilität. Besucherinnen und Besucher des Osterfelder Wochenmarktes sind von 9 bis 13 Uhr eingeladen, sich zu verschiedenen Mobilitätsformen zu informieren und bei Interesse verschiedene Mobilitätsformen auszuprobieren. Hierfür stellen E-Scooter-Anbieter TIER und die Wirtschafts- und Tourismusförderung ihre E-Tretroller für Testfahrten zur Verfügung. Wer sich nicht sofort auf den E-Tretroller traut, kann über die Verkehrswacht zunächst eine digitale Trockenübung machen: Die Verkehrswacht bietet eine digitale E-Tretroller-Fahrt per Virtual-Reality-Brille an. Nextbike stellt Leihfahrräder für einen kleinen Parcours bereit und die Verbraucherzentrale beteiligt sich mit einer Energieberatung am Aktionsprogramm. Wer sein Fahrrad auf Vordermann bringen möchte, kann die mobile Reparatur-Station von hand drauf! e.V. in Anspruch nehmen.

Alle Aktionen finden während der Marktzeiten in Alt-Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld statt, sodass Marktbesucherinnen und -besucher auch kurzentschlossen noch an den Aktionsständen der Europäischen Mobilitätswoche 2023 Oberhausen vorbeikommen können.