Stadtgespräch

Bürgermeister Manfred Flore mit Goldenem Meisterbrief geehrt

50 Jahre Schornsteinfegermeister: Oberhausens Bürgermeister Manfred Flore ist mit dem Goldenen Meisterbrief der Handwerkskammer ausgezeichnet worden.
Der Präsident der Düsseldorfer Handwerkskammer, Andreas Ehlert, überreichte die Auszeichnung am Donnerstag (17. November) im Oberhausener Rathaus in Anwesenheit von Oberbürgermeister Daniel Schranz an den Jubilar.

21.11.2022
Andreas Ehlert (r.), Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, überreichte Bürgermeister Manfred Flore (2.v.r) den Goldenen Meisterbrief. Neben Oberbürgermeister Daniel Schranz (l.) gratulierte auch Kreishandwerksmeister Jörg Bischoff. Foto: Stadt Oberhausen/Tom Thöne

Manfred Flore hat die 50 Jahre seit seiner Meisterprüfung nicht einfach verrinnen lassen. Ganz im Gegenteil: Er hat diese lange Zeit mit Leidenschaft, Gestaltungswillen und unermüdlichem Einsatz für Handwerk, Ehrenamt und Kommunalpolitik gefüllt“, so Präsident Ehlert. „Ich freue mich daher besonders, eine verdiente Persönlichkeit wie ihn mit dem Goldenen Meisterbrief der Handwerkskammer Düsseldorf auszeichnen zu dürfen.

Manfred Flore, geboren 26. Juli 1950 in Wuppertal, hat nach der Schule eine Ausbildung zum Schornsteinfeger gemacht. Mit 21 Jahren legte er die Meisterprüfung ab. Flore engagierte sich 15 Jahre lang im Zentralverband Deutscher Schornsteinfeger – Gewerkschaftlicher Fachverband (ZDS), der Arbeitnehmervertretung der Schornsteinfeger, dabei amtierte er unter anderem als Landesvorsitzender. Für sein Engagement wurde er mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

1990 wurde Flore zum Bezirksschornsteinfegermeister für den Kehrbezirk 3 der Stadt Duisburg bestellt. Flore war Vorsitzender des Stadtkreises Duisburg und bis 2017 stellvertretender Obermeister der Schornsteinfegerinnung für den Regierungsbezirk Düsseldorf.

Manfred Flore ist seit 1999 Mitglied des Rats der Stadt Oberhausen. Seit 2020 ist er Zweiter Bürgermeister. 2015 erhielt er als Anerkennung für seine Verdienste den Ehrenring der Stadt Oberhausen.

Ob in der Stadtpolitik, bei der Feuerwehr – oder eben in seinem Beruf als Schornsteinfeger: Manfred Flore geht die Aufgaben, denen er sich stellt, immer mit großem Engagement an“, sagte Oberbürgermeister Daniel Schranz. „Ich gratuliere ihm zu dieser verdienten Auszeichnung.

Ich freue mich natürlich sehr, dass mein Kollege und Freund, Handwerkspräsident Andreas Ehlert, extra nach Oberhausen gekommen ist, um mir diese Auszeichnung zu überreichen“, sagte Bürgermeister Flore; „ich kann nur allen jungen Menschen empfehlen, sich eine Aus- oder Weiterbildung im Handwerk anzusehen und vielleicht dafür zu entscheiden. Ich habe in meinem Handwerk mein Glück gefunden.

Stadtgespräch

Volkstrauertag und Friedenssonntag: Feierstunde in der Gedenkhalle

Mit einer Kranzniederlegung an der Gedenkskulptur der „Trauernden“ vor der Gedenkhalle, mit dem Totengedenken und einem Vortrag zu Künstlern des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik haben Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Stadtgesellschaft und der Reservistenverbände der Bundeswehr am Sonntag, 13. November, in der Gedenkhalle den Volkstrauertag begangen.

17.11.2022
Die Gedenkskulptur „Die Trauernde“ und Kränze zum Volkstrauertag; links die am 2.9.2022 neu aufgestellten Informationstafeln zur „Trauernden“ (Foto: Dirk Klasen)

In seiner Begrüßung erinnerte Bürgermeister Werner Nakot nicht nur an die Entstehung des Volkstrauertages, der in Oberhausen traditionell als Friedenssonntag begangen wird; er verwies auch mit Blick auf den Russland-Ukraine-Krieg auf die Aktualität. Laut Zählungen des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte (OHCHR) sind in der Ukraine durch den Krieg bis Anfang November mindestens 6.490 Zivilisten gestorben, darunter mindestens 403 Kinder. „Wir wollen und müssen auch sie heute in unsere Gedanken einschließen“, sagte Nakot, bevor er das Totengedenken sprach.

Der Kunsthistoriker und Kurator Wolfgang Brauneis war als Festredner zum Volkstrauertag geladen. Brauneis hatte 2021 die Ausstellung „Die Liste der ‚Gottbegnadeten‘: Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik“ im Deutschen Historischen Museum in Berlin kuratiert, in der es unter anderem auch um Willy Meller und die Figur der „Trauernden“ am Schloss Oberhausen ging. In einem Rundgang durch die Berliner Ausstellung wurde deutlich, dass der Künstler Willy Meller, von dem die Gedenkskulptur „Die Trauernde“ stammt und mit dem sich die Stadt zuletzt intensiv beschäftigt hatte, kein Einzelphänomen war, sondern Teil einer Kunstszene, die in den 1950er- und 1960er-Jahren fast nahtlos weiterarbeitete. Manche führten ihre Arbeiten aus der NS-Zeit stilistisch fort, andere passten sich neuen Tendenzen an. Viele der Künstler, die im Nationalsozialismus prominent tätig gewesen waren, blieben präsent und konnten ein künstlerisch anerkanntes und teils mehr als auskömmliches Leben (weiter)führen. Anders als in der Öffentlichkeit damals dargestellt, waren sie nicht vom Erdboden verschluckt, sondern im Stadtbild vieler Städte deutlich sichtbar, bis heute. Eine Stunde Null hat es auch in der Kunst nicht gegeben.

Stadtgespräch

Stadt Oberhausen gedenkt mit jüdischen Gemeinden der Opfer der Reichspogromnacht

Eine Bronzetafel erinnert in der Friedenstraße am Haus Nummer 24 an den Ort, an dem die Oberhausener Synagoge stand: Nicht einmal 40 Jahre konnte die jüdische Gemeinde Oberhausen dort ihre Gottesdienste feiern, bis Nationalsozialisten sie in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 niederbrannten. Am Abend des 9. November 2022 erinnerten wieder Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung, der jüdischen Gemeinden, aus Schülerschaft und Stadtgesellschaft an die jüdischen Oberhausenerinnen und Oberhausener, die in der Reichspogromnacht vor 84 Jahren, aber auch in den Wochen, Monaten und Jahren davor und danach Opfer des nationalsozialistischen Terrors wurden.

10.11.2022
Bürgermeister Werner Nakot, Oberrabbiner David Geballe von der Jüdischen Gemeinde Duisburg – Mülheim – Oberhausen und Lev Schwarzmann, Vorsitzender der liberalen jüdischen Gemeinde Perusch (v.r.) widmeten den Oberhausener Opfern der Reichspogromnacht einen Kranz. Foto: Stadt Oberhausen / Tom Thöne

Bürgermeister Werner Nakot betonte in seinem Grußwort, dass dieses Gedenken nicht nur die Würde der Menschen gebiete, die terrorisiert, deportiert und ermordet wurden; die deutsche Gesellschaft müsse sich ihrer Geschichte weiter bewusst sein, um auch in der Gegenwart und in Zukunft wachsam zu bleiben. „Wir müssen Übergriffe benennen, müssen konsequent gegen Antisemitismus und Ausgrenzung aufstehen, gegen Rechtsradikalismus und Rassismus vorgehen“, sagte Nakot mit einem Hinweis auf die in NRW stark gestiegene Zahl der angezeigten antisemitischen Straftaten.

Gemeinsam mit David Geballe, dem Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde Duisburg – Mülheim – Oberhausen, und Lev Schwarzmann, dem Vorsitzenden der liberalen jüdischen Gemeinde Perusch, widmete Bürgermeister Nakot den jüdischen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt einen Kranz, die Opfer des Pogroms vom 9. November 1938 wurden. Oberrabbiner Geballe sprach ein Gebet für die Menschen, die ums Leben kamen, Gemeinde-Vorsitzender Schwarzmann erinnerte auch an die nichtjüdischen Menschen, die Jüdinnen und Juden vor ihren Verfolgern versteckten; diese vom Staat Israel als „Gerechte unter den Völkern“ Geehrten hätten nicht nur Menschen gerettet, sondern auch die Hoffnung und den Glauben an die Menschlichkeit, zitierte Schwarzmann die frühere israelische Ministerpräsidentin Golda Meir.

Schülerinnen und Schüler des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums berichteten stellvertretend für alle verfolgten jüdischen Oberhausenerinnen und Oberhausener vom Schicksal der jüdischen Holtener Familie Wolf. Die große Familie war seit dem 18. Jahrhundert in Holten verwurzelt, wurde aber nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zunehmend ausgegrenzt. Die meisten Familienmitglieder wurden in KZs deportiert und ermordet. Seit dem Frühjahr erinnern Stolpersteine vor dem Haus Nummer 36 an der Holtener Wasserstraße an die Familie.

Die Schauspielerinnen Anke Fonferek und Maria Lehberg des Theaters Oberhausen lasen anrührende Texte der jüdisch-kanadischen Künstlerin Bernice Eisenstein, deren Eltern den Holocaust überlebt hatten, und der jüdischen Dichterin Mascha Kaléko. Mit einem Lied für den Frieden setzten Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Realschule den Schlusspunkt für die Gedenkfeier, zu der fast 200 Menschen in die Friedenstraße gekommen waren.