Stadtgespräch

40 Jahre Städtepartnerschaft Saporischschja – Oberhausen

Am 20. Mai 1986 wurde die Städtepartnerschaft zwischen Saporoshje und Oberhausen offiziell begründet. Die Partnerschaft ist hervorgegangen aus Kontakten von Stahlarbeitern beider Städte, und das mitten im Kalten Krieg. Oberhausen setzte damit ein Zeichen für Verständigung, Nachbarschaft und Frieden. Nun feiert diese Partnerschaft 40jähriges Jubiläum. Aus diesem Grund besucht eine ukrainische Delegation unter Leitung der kommissarischen Oberbürgermeisterin Rehina Kharchenko Oberhausen vom 17. bis 20. Mai 2026.

12.05.2026
Quelle: Stadt Oberhausen

Oberbürgermeister Thorsten Berg erklärt im Vorfeld des Besuches: „In den vergangenen 40 Jahren sind zahlreiche Verbindungen, Kooperationen und Freundschaften entstanden. Besonders seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 zeigt sich die enge Verbundenheit: Oberhausen und seine Bürgerinnen und Bürger stehen fest an der Seite ihrer ukrainischen Freunde und leisten weiterhin Unterstützung.“

Das städtische Büro für Interkultur hat zusammen mit dem Gdanska und dem Theater Oberhausen Veranstaltungen vorbereitet, die die Bedeutung und die Verbundenheit der beiden Städte hervorheben und die Besonderheit einer solch langen Städtepartnerschaft unterstreichen.

Neue Vereinbarung und Festakt am 18. Mai 2026

Der Rat der Stadt erneuert am Montag, 18. Mai 2026, im Rahmen eines Festaktes um 15 Uhr die Vereinbarung der Städtepartnerschaft, da diese noch aus der sowjetischen Zeit stammt. Zusätzlich trägt sich Oberbürgermeisterin Kharchenko in das Golden Buch der Stadt Oberhausen ein.

Veranstaltung im Bertha-von-Suttner-Gymnasium 

Am Dienstag, 19. Mai 2026, besucht die ukrainische Delegation das Bertha-von-Suttner-Gymnasium. Die Schule im Marienviertel ist seit vielen Jahren mit der Städtepartnerschaft zwischen Oberhausen und Saporischschja verbunden und hat den Schüleraustausch mit der ukrainischen Partnerstadt maßgeblich mitgeprägt. Im Mittelpunkt der internen Veranstaltung stehen der Austausch über Schule und Bildung in der Ukraine und in Nordrhein-Westfalen sowie die besondere Bedeutung schulischer Begegnungen für gelebte Partnerschaft und Solidarität.

Die Gäste aus Saporischschja berichten unter anderem über aktuelle Bildungsprojekte, das Leader-Programm und die unterirdischen Klassenräume in der Stadt. Zudem bringen ein ehemaliger Abiturient sowie eine aktuelle Schülerin der Oberstufe des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums mit ukrainischem Hintergrund ihre persönlichen Erfahrungen mit Schule in der Ukraine und in Deutschland in das Gespräch ein. Ergänzend stellt das Bertha-von-Suttner-Gymnasium sein Schulprofil als MINT-freundliche, kultur- und demokratiepädagogisch geprägte Schule vor und gibt Einblicke in aktuelle Entwicklungen im Schulwesen Nordrhein-Westfalens.

Veranstaltung „Vom Kriege“ im Gdanska 

Am Mittwoch, 20. Mai 2026, erinnert die Veranstaltung „Vom Kriege“ im Gdanska (Altmarkt 3) um 19 Uhr mit Film, Musik und Gesang an den Grund für die Entstehung von Städtepartnerschaften nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Filmveranstaltung mit Live-Musik von Musikern und einem ukrainischen Sänger zeigt private Aufnahmen von Soldaten aus dem 2. Weltkrieg und gibt Einblicke in die Brutalität und Banalität des Krieges. Der Eintritt ist frei.

Wyschywanka-Fest am Theater Oberhausen am 23. Mai

Am Samstag, 23. Mai 2026, 13:30 bis 21 Uhr, findet zum ersten Mal das Wyschywanka-Fest statt. Im Mai wird in der Ukraine der Tag der traditionellen Stickereien (Wyschywanka) gefeiert. Dabei geht es um mehr als nur ein Stück Stoff: An diesem Tag zelebrieren Ukrainerinnen und Ukrainer ihre Kultur, Geschichte, Traditionen und Bräuche. Das Theater Oberhausen lädt zu einem festlichen Programm mit Musik, Snacks und Workshops ein.

Chronik der Städtepartnerschaft mit Saporischschja

5. Juni 1973 Erste Freundschaftsschmelze im Siemens-Martin-Stahlwerk (heute Zum Eisenhammer in Lirich) TNO – Thyssen Niederrhein Oberhausen Sowjetische Hüttenarbeitergewerkschaft und IG Metall

1. Juni 1983 Freundschaftsschmelze in der UDSSR Dnjeprospezstahl in Saporoschje.

1983 Beratungen im Ältestenrat: Das Motto der Kurzfilmtage Oberhausen „Weg zum Nachbarn“ soll auch in anderen Bereichen gelebt werden, dazu soll eine Städtepartnerschaft mit einer sowjetischen Stadt aufgebaut werden

4. November 1985 Ratsbeschluss zur Begründung einer Städtepartnerschaft mit Saporoschje

20. Mai 1986 Begründung einer Städtepartnerschaft (26. April 1986 Tschernobyl-Katastrophe): Die Oberbürgermeister Jalanskij und van den Mond erklären „vielfältige freundschaftliche Kontakte zu knüpfen sowie helfen in gegenseitiger Achtung und Toleranz, damit ein Beitrag geleistet wird für die Verständigung unter den Völkern und den Frieden in der Welt“

Das war die erste Verbindung einer westdeutschen mit einer ukrainischen Stadt.

1989: Erster Hilfstransport mit Hilfe für Waisen und bedürftige alte Menschen. Die Hilfstransporte wurden zunächst in Zusammenarbeit der beiden Stadtverwaltungen organisiert. (So kam der Gedenkstein, der auf dem Saporischschja-Platz steht, im sehr harten Winter 1993 von der Chortitsa-Insel im Dnjepr nach Oberhausen. Er schützte den leeren LKW auf der Rückfahrt von Saporischschja nach Oberhausen auf eisglatter Fahrbahn davor, ins Schleudern zu geraten.)

1991 Unabhängigkeit der Ukraine: Aus Saporoshje wird Saporischschja; Beständige weitere Zusammenarbeit und Entwicklung

1994 Gründung „Förderkreis Saporoshje e.V.“, der gemeinsam mit seiner Partnerorganisation die humanitäre mit Hilfe durchführte. Die Stadtverwaltungen unterstützten die Aktivitäten des Vereins. 2016 Auflösung des „Förderkreises Saporoshje e.V.“ Nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 gründete sich auch der Verein „Grüne Luftbrücke e.V.“, der Waisenkindern einen Erholungsurlaub in Oberhausen ermöglichte.

2012 Gründung „Oberhausen hilft e.V.“ mit Handwerkern aus Oberhausen, um humanitäre Hilfe in Waisenhäusern zu leisten. Dies geschah durch Renovierungen und Sachspenden wie Kleidung, Spielzeug etc.

2014 Überfall auf die Krim: Krieg vor der Haustür, Sicherheitslage in Saporischschja erlaubt keine Besuche dort.

2017 Visaerleichterung seit der ESC-Veranstaltung in Kiew

2017-2021 Gemeinsame Projekte der beiden Städte zu Bürgerbeteiligung, Zivilgesellschaft, Demokratie zusammen mit dem Büro für Interkultur

2022 Vollumfänglicher Krieg Russlands gegen die Ukraine: Humanitäre Hilfe steht im Vordergrund mit Oberhausen hilft e.V.. Seit 2022 arbeitet die Stadt Oberhausen intensiv mit dem Verein Oberhausen hilft e.V. zusammen, um möglichst viel Hilfe für die ukrainische Partnerstadt liefern zu können. Knapp 5.000 Ukrainerinnen und Ukrainer sind seit Kriegsbeginn nach Oberhausen gekommen, etwa 3.600 sind hier gemeldet

Kulturelle Zusammenarbeit

  1. 1989 erstes Highlight im Kulturaustausch: Kirov-Chor in Oberhausen
  1. Die Gedenkhalle Oberhausen war und ist immer wieder Ansprechpartner für ehemalige ukrainische Zwangsarbeiter, auch aus Saporischschja.
  1. Sport: Insbesondere der Judoverein Holten hatte intensive Kontakte nach Saporischschja.
  1. Jugendaustausch wurde aufgebaut und findet im Rahmen der MULTI auch in diesem Jahr statt; es kommt eine Gruppe aus Saporischschja zur MULTI im August 2026
  1. Schüleraustausch, das Bertha-von-Suttner-Gymnasium begann den Austausch, Friedrich-Ebert-Realschule, Sophie-Scholl-Gymnasium und zeitweise Käthe-Kollwitz-Berufskolleg beteiligten sich. Mit viel Engagement (einiger Lehrkräfte) wurde hier der Schüleraustausch betrieben, aber auch viele solidarische Aktionen mit den Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern und ihren Familien. Diese Aktivitäten halten bis heute an.

Stadtgespräch | Tourismus & Wirtschaft

Oberhausen und Mersin gemeinsam für Demokratie und Rechtstaatlichkeit

Der deutsch-türkische Städtepartnerschaftsgipfel am 8. April in Istanbul war noch von Ekrem İmamoğlu geplant worden und sollte Ausdruck der 100-jährigen diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland sein. Nach der Verhaftung und Suspendierung des Istanbuler Oberbürgermeisters İmamoğlu war klar: Der Fokus des vom Deutschen Städtetag und Türkischen Städtetag organisierten und vom Auswärtigen Amt unterstützten Gipfels muss ein klares Zeichen für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sein.

25.04.2025
Die Delegationen aus Oberhausen und Mersin v. li.: Cano Serpin, Ibrahim Evrim, Desbina Kallinikidou, Saadettin Tüzün, Elif Tamburoglu. (Bildrechte: Stadt Oberhausen)

Stadtverordneter Saadettin Tüzün in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der OWT und Desbina Kallinikidou vom Büro für Interkultur nahmen für die Stadt Oberhausen an dem Gipfel teil und trafen dort Ibrahim Evrim und Elif Tamburoglu von der Abteilung für Internationale Zusammenarbeit der Stadt Mersin.

Während des Städtepartnerschaftsgipfels wurde eine gemeinsame Erklärung für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit aller Beteiligten aus deutschen und türkischen Kommunen verabschiedet. Dabei wurde betont, dass Städte und Städtepartnerschaften Säulen der Demokratie sind. Die Teilnahme der Stadt Oberhausen an dem Städtepartnerschaftsgipfel sendet ein wesentliches und wichtiges Signal der Solidarität und machte deutlich, dass sie an der Seite ihrer demokratisch gewählten Partnerinnen und Partner in der Türkei steht.

Die Vertreter aus Oberhausen und Mersin nutzten die Gelegenheit des Zusammentreffens, um über weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Kultur und Umwelt zu sprechen.

Stadtgespräch | Tourismus & Wirtschaft

Engagement für Europa: Oberhausener Delegation zu Gast in Jena

Die Stadt Oberhausen entsendete zur Delegiertenversammlung des Rats der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) in Jena Mitte April eine fünfköpfige Delegation, unter anderem als stimmberechtigte Mitglieder mit dabei waren die Bürgermeister Werner Nakot und Manfred Flore. Sie stimmten unter anderem über die Neuwahl der Mitglieder des Hauptausschusses ab.

24.04.2025
Mit dabei in Jena: Marc Hoff (FDP), Bürgermeister Manfred Flore (SPD), Marga Dresen (Büro für Interkultur), Bürgermeister Werner Nakot (CDU) (v.l.n.r.). Foto: Stadt Oberhausen

Unter dem Motto „70 Jahre RGRE – 70 Jahre kommunales Engagement für Europa“ beging der Rat zugleich seinen runden Geburtstag und stellte die von der deutschen Sektion verabschiedete Jenaer Erklärung vor. Diese unterstreicht nochmals, dass ein couragiertes Engagement für Europa heute wichtiger denn je sei. Hierbei seien vor allem die Kommunen als Grundpfeiler Europas und Brückenbauer zwischen den Städten in der Pflicht, denn sie ermöglichten Begegnungen zwischen Menschen und grenzüberschreitenden Austausch. Die Stadt Oberhausen leistet dazu unter anderem mit ihren Städtepartnerschaften einen Beitrag.

Der RGRE ist eine Interessenvertretung deutscher Kommunen, mit dem Ziel, in Brüssel möglichst mit einer Stimme zu sprechen und gemeinsame europapolitische Positionen zu vertreten. Zu seinen Aufgaben gehören die Mitgestaltung der Zukunft Europas sowie der europäischen Gesetzgebung, die Unterstützung kommunaler (Städte-)Partnerschaften, die Stärkung von Kommunen auf globaler Ebene sowie der Informations- und Erfahrungsaustausch seiner Mitglieder.

Sport | Stadtgespräch

Oberhausener Kanuverein zeigt aktive Solidarität mit Saporishja

Am vergangenen Wochenende endete das zweite Trainingslager einer Jugend-Kanu-Mannschaft aus Oberhausens ukrainischer Partnerstadt Saporishja beim Oberhausener Kanuverein (OKV). Wie schon im Vorjahr war die Stadtverwaltung von Saporishja mit der Bitte an die Stadt Oberhausen herangetreten, einer Jugend-Kanumannschaft einige Wochen ein Trainingslager zu ermöglichen. Damit sollte den jungen Sportlerinnen und Sportler zumindest eine kleine Auszeit vom Kriegsgeschehen und der ständigen Unsicherheit in ihrer Heimat ermöglicht werden. Dank der Unterstützung eines großen Netzwerkes aus städtischen Dienststellen, Oberhausener Freizeit- und Kultureinrichtungen, dem Verein Oberhausen hilft und allen voran dem OKV gelang das auch in diesem Jahr wieder.

22.04.2024
Die jungen Kanutinnen und Kanuten aus der Ukraine mit ihren Gastgeberinnen und Gastgebern sowie Sportdezernent Jürgen Schmidt (2.v.r.). Foto: Stadt Oberhausen/Carsten Walden

Sportdezernent Jürgen Schmidt freut sich: „Das Trainingslager ist in diesen Zeiten ein besonderes Beispiel gelebter Städtepartnerschaft zwischen Oberhausen und Saporishja. Bei der Begegnung waren eine tolle Stimmung und ein herzliches Miteinander spürbar. Hierfür und für das große Engagement gebührt allen Beteiligten ein großer Dank.“

In den vergangenen zweieinhalb Wochen haben die 15 Gäste aus der Ukraine kostenlos im Vereinsheim des OKV auf von der Feuerwehr bereitgestellten Feldbetten übernachtet. Tagsüber konnten sie mit den von verschiedenen Vereinen zur Verfügung gestellten Booten trainieren. Die Vereinsmitglieder kümmerten sich fürsorglich um ihre ukrainischen Gäste, kochten für sie und mit ihnen und schlossen sie immer mehr in ihr Herz. Die ukrainischen Gäste wissen dieses Engagement sehr zu schätzen, wie die verantwortliche Trainerin Julia Savalieva betont: „Wir sind allen, die unsere Besuche hier möglich gemacht haben, sehr dankbar. Und wir freuen uns darauf, unsere neuen Freunde vom OKV nach dem Krieg endlich zu uns einladen zu können“.

Beim OKV ist man sich einig, auch in Zukunft die Sportfreunde und -freundinnen aus der Ukraine aufzunehmen. „Es ist wirklich eine sehr nette Gruppe. Und wenn sie im nächsten Jahr wiederkommen möchten, stehen wir alle wieder bereit“, verspricht die OKV-Vorsitzende Birgit Bieber. Der innige Wunsch aller: dann hoffentlich in Friedenszeiten.