Stadtgespräch

Weg zum Nachbarn – Stadt.Geschichte.Film. „Solino“ von Fatih Akin in der Lichtburg Oberhausen

Im Rahmen der Filmreihe „Weg zum Nachbarn – Stadt.Geschichte.Film.“ zeigen der Filmclub Oberhausen e.V., der Lichtburg-Filmpalast Oberhausen und die VHS Oberhausen, am Mittwoch, 25. Februar 2026, den Spielfilm Solino (Deutschland 2002, Regie: Fatih Akin, 124 Minuten, FSK 12). Die Veranstaltung findet im Lichtburg-Filmpalast Oberhausen, Elsässer Straße 26, statt. Der Eintritt ist frei. Um vorherige Anmeldung per E-Mail an info@lichtburg-ob.de wird gebeten. Die Filmvorführung lädt dazu ein, sich nicht nur an die Anfänge der italienischen Gastronomie im Ruhrgebiet zu erinnern, sondern auch über Identität, Migration und kulturellen Wandel ins Gespräch zu kommen. Im Anschluss an die Vorführung findet ein Filmgespräch mit Brigitte Celentano und Töchter statt.

23.02.2026
Foto: Solino Bildrechte X Verleih AG

Der Film erzählt über zwei Jahrzehnte hinweg die bewegende Geschichte einer Familie, die 1964 von Süditalien ins Ruhrgebiet kommt. In Duisburg (eigentlich in Oberhausen) eröffnet sie die erste Pizzeria der Region – ein mutiger Schritt in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufbruchs, aber auch gesellschaftlicher Spannungen. Zwischen familiären Konflikten, unternehmerischem Ehrgeiz und der Suche nach Zugehörigkeit entsteht ein vielschichtiges Porträt einer Generation von „Gastarbeiter“-Familien.

 

Der reale Hintergrund der Geschichte berührt unmittelbar Oberhausen: Die erste Pizzeria des Ruhrgebiets wurde hier eröffnet, an der Ecke Mülheimer Straße und Falkensteinstraße. Damit verbindet „Solino“ Migrationsgeschichte, Alltagskultur und Strukturwandel – zentrale Themen, die die Identität der Stadt bis heute prägen. Die Geschichte steht exemplarisch für die Realität vieler italienischer Gastarbeiter, die nach dem deutsch-italienischen Anwerbeabkommen von 1955 ins Ruhrgebiet kamen, um im Bergbau und in der Stahlindustrie zu arbeiten. Städte wie Oberhausen entwickelten sich zu wichtigen Orten dieser Arbeitsmigration. Mit den Menschen kam auch ihre Kultur – und mit ihr die Pizza.

 

Mit seiner warmherzigen, zugleich kraftvollen Inszenierung erzählt Fatih Akin von Heimat, Aufbruch und den Brüchen zwischen den Generationen. „Solino“ ist ein Film über das Ruhrgebiet als Einwanderungsregion – und über die Frage, was Heimat eigentlich bedeutet.

Stadtgespräch

Filmclub Oberhausen e.V. und Volkshochschule Oberhausen Filmreihe „Weg zum Nachbarn Stadt.Geschichte.Film.“ – Historische Filmreihe startet am 28. Januar 2026

Nach dem erfolgreichen Start der Filmreihe im Jahr 2025, die in der Lichtburg Oberhausen mit großer Resonanz und teils bis zu 600 Besucherinnen und Besuchern stattfand – unter anderem bei der Reihe „Die Misfits – Der Tod ist kein Beinbruch“ –, wird das Programm der Reihe „Weg zum Nachbarn“ 2026 inhaltlich vertieft und thematisch fokussiert fortgesetzt.

26.01.2026

Mit seinem Filmprogramm 2026 widmet sich der FC Oberhausen e.V. und die VHS Oberhausen der Geschichte, dem Wandel und den kulturellen Identitäten des Ruhrgebiets. In Spiel- und Dokumentarfilmen aus mehr als sieben Jahrzehnten wird ein Bogen gespannt – von der Hochphase der Montanindustrie über Strukturwandel und Migration bis hin zu Erinnerungskultur und Milieuporträts.

Den Auftakt in der Lichtburg Oberhausen (Elsässer Straße 26) bildet am 28. Januar 2026, 18 Uhr, Volker Kösters Dokumentation „Stadt der Guten Hoffnung“(1997). Der Film begleitet die Entstehung der Neuen Mitte Oberhausen auf dem Gelände der ehemaligen Gutehoffnungshütte und beleuchtet den Übergang von industrieller Produktion zur Konsum- und Erlebnisgesellschaft – ein Wandel, der bis heute kontrovers diskutiert wird.

Der Eintritt ist frei, um eine Anmeldung per E-Mail (info@lichtburg-ob.de) wird gebeten.

 

Stadt der Guten Hoffnung, 70 Minuten, 1997; Mit Volker Köster

In Oberhausen entstehen ganz neue Welten: Eine Konsumwelt, eine Freizeitwelt, eine Kinderwelt, eine Spielewelt, eine Erlebniswelt. Aus den Abenteuerreisen des 19. Jahrhunderts entwickeln sich gefahrlose Erlebnisreisen des 20. Jahrhunderts. Doch diese Welten befinden sich nicht im öffentlichen Raum – die Reiseroute wird vorgeschrieben, der Zugang ist reglementiert. Es entstehen 70.000 qm neue Verkaufsfläche, ein Freizeit- und Erlebnispark, eine Gastronomiezeile, eine ökumenische Kirche, eine Arena mit 10.500 Sitzplätzen. „Es wird keinen Grund mehr geben, nicht einkaufen zu gehen.“ E. Healey, Investor CentrO

„Über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren habe ich auf die Eröffnung vomCentrO gewartet. In der Zwischenzeit habe ich mir andere Einkaufsmöglichkeiten angeschaut. Die Reise begann in Paris und führte über die Marktstraße zum Bero Center in Oberhausen. Arbeitsplätze werden versprochen und Mitarbeiter auf den neuen Service für die Kunden vorbereitet. Am Tag der Eröffnung endet der Film. Entscheiden muss der Kunde.“ Volker Köster

Ausblick auf das Filmprogramm 2026: Industrie, Wandel und Identität im Ruhrgebiet

Am 25. Februar 2026 folgt mit „Schichten unter der Dunstglocke“ (1959) ein eindrucksvolles Zeitdokument über den Arbeits- und Lebensrhythmus der Stahl- und Zechenarbeiter in Oberhausen. Ergänzt wird der Abend durch den Filmklassiker „Rettet Eisenheim“ (1972/73), der den Beginn des filmischen Engagements für den Erhalt historischer Arbeitersiedlungen markiert.

Migration als Teil der Ruhrgebietsgeschichte steht am 25. März 2026 im Mittelpunkt: Fatih Akins Spielfilm „Solino“ (2002) erzählt die Geschichte einer italienischen Familie, die in den 1960er Jahren ins Revier kommt, um eine Pizzeria zu eröffnen – inspiriert von der ersten Pizzeria, die tatsächlich in Oberhausen entstand.

Mit „Die Helden von Eisenheim“ (2005) zeigt das Programm am 27. Mai 2026ein sensibles Porträt zweier Brüder, die in der ehemaligen Arbeitersiedlung Eisenheim an traditionellen Lebensformen festhalten. Der Film vermittelt ein authentisches Bild eines Milieus, das im Verschwinden begriffen ist, und setzt seinen Protagonisten ein leises Denkmal.

Einen besonderen Akzent setzt das Programm am 30. September 2026 mit Veit Harlans Vorbehaltsfilm „Der Herrscher“ (1937). Die Außenaufnahmen entstanden auf dem Gelände der Gutehoffnungshütte in Oberhausen. Das als Propagandafilm eingestufte Werk wird kontextualisiert eingeführt und im Anschluss kritisch diskutiert.

Den programmatischen Schlusspunkt bildet im November 2026 Luchino Viscontis „Die Verdammten“ (1969). Die Hochofenanlagen der Gutehoffnungshütte dienten hier als Kulisse – heute befindet sich an gleicher Stelle das CentrO. Damit schließt sich der Kreis zurück zur „Stadt der Guten Hoffnung“ und zur Frage nach Erinnerung, Nutzung und Deutung industrieller Orte.

Das Filmprogramm 2026 versteht sich als Einladung zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ruhrgebiets – filmisch, kritisch und immer im Dialog mit der Gegenwart.

Kunst & Kultur | Stadtgespräch

Oberbürgermeister empfängt Leitungen der Internationalen Kurzfilmtage

Noch bis zum Montag, 6. Mai 2024, laufen die 70. Internationalen Kurzfilmtage. Aus Anlass des Jubiläumsfestivals hat Oberbürgermeister Daniel Schranz zwei der ehemaligen Leitungen und den aktuellen Leiter der Festivals im Rathaus empfangen. Die ehemalige Leiterin Angela Haardt, der ehemalige Leiter Wolfgang J. Ruf und der aktuelle Leiter Dr. Lars Henrik Gass trugen sich in das Goldene Buch der Stadt ein.

02.05.2024
Ins Goldene Buch der Stadt Oberhausen haben sich am Mittwoch Angela Haardt, Wolfgang J. Ruf (l.) und Dr. Lars Henrik Gass (Mitte) eingetragen: Oberbürgermeister Daniel Schranz empfing die ehemaligen Leitungen und den aktuellen Leiter der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen aus Anlass des Jubiläums des 1954 gegründeten Festivals. Die 70. Kurzfilmtage laufen noch bis 6. Mai. (Foto: Stadt Oberhausen /Tom Thöne)

„Die Internationalen Kurzfilmtage sind ein Aushängeschild für die Oberhausener Kulturlandschaft und setzen sowohl national als auch international film- und kulturpolitische Akzente“, betonte Oberbürgermeister Schranz anlässlich des Empfangs im Rathaus. „Das Festival ist seit 70 Jahren ein Ort des freien Denkens und der Diskussion, es steht für Dialog und Offenheit: Dafür, dass sie mit ihren Teams diesen Geist der Oberhausener Kurzfilmtage gelebt und gepflegt haben, danke ich allen ehemaligen Leiterinnen und Leitern genauso wie dem aktuellen Leiter im Namen der Stadt Oberhausen, aber auch ganz persönlich. Denn solche Orte eines überlegten und respektvollen persönlichen Austauschs brauchen wir in Zeiten, in denen es immer weniger davon gibt.“

Wolfgang J. Ruf war von 1975 bis 1985 Leiter der damaligen Westdeutschen Kurzfilmtage. Er war später als Chefredakteur der Zeitschrift „Die Deutsche Bühne“ und Pressereferent des Deutschen Bühnenvereins tätig, außerdem als Chefdramaturg im Badischen Staatstheater Karlsruhe. Ruf ist Autor, Publizist und Dozent. Sein Themenspektrum umfasst Kulturpolitik, Theater, Film, Medien, Literatur, Geschichte, Politik und Zeitgeschichte.

Angela Haardt war von 1990 bis 1997 Leiterin der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen. Sie gehörte zuvor zu den Gründungsmitgliedern der Münchener Gruppe „IFF – Internationales Forum der Filmavantgarde“ und war u.a. Fachbereichsleiterin Kulturelle Bildung der VHS Duisburg und Leiterin der von ihr mitgegründeten Duisburger Filmwoche. Nach ihrer Zeit als Leiterin der Kurzfilmtage war Haardt vor allem als freiberufliche Kuratorin für Film- und Medienkunst und Organisatorin von Konferenzen tätig und lehrte unter anderem an den Kunsthochschulen Berlin und Hamburg.

Dr. Lars Henrik Gass ist seit 1997 Leiter der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen. Er war zuvor u.a. Geschäftsführer des Europäischen Dokumentarfilm Instituts, Gründer und Redakteur der Buchreihe „Texte zum Dokumentarfilm“ und Mitarbeiter der Zeitschrift „DOX – Documentary Film Quarterly“. Gass hat mehrere Bücher und zahlreiche Kritiken, Essays und Vorträge zu Fotografie, Film und kulturpolitischen Themen veröffentlicht. Er war u.a. Mitglied der Jury des Deutschen Kurzfilmpreises, der Berlinale Shorts Jury, des Künstlerischen Beirats der Emscherkunst sowie des Vorstands im Bundesverband kommunale Filmarbeit.