Stadtgespräch

Praktika öffnen Türen – Woche des Praktikums und gemeinsames Engagement stärkt die Berufsorientierung für Jugendliche

Praktika öffnen Türen – Woche des Praktikums und gemeinsames Engagement stärkt die Berufsorientierung für Jugendliche 

Praktikumsbörsen in Oberhausen und Mülheim erleichtern Jugendlichen und Betrieben den Weg zueinander 

Vom 21. bis 23. Oktober fand erstmals die Woche des Praktikums statt – eingebettet in den „Sommer der Berufsausbildung“ der Allianz für Aus- und Weiterbildung. Ziel der bundesweiten Aktion ist es, die Bedeutung praktischer Erfahrung für junge Menschen sichtbar zu machen. Denn ein Praktikum ist oft weit mehr als nur ein kurzer Einblick: Es kann der Beginn einer erfolgreichen Ausbildung und beruflichen Zukunft sein.

28.10.2025

Wie wertvoll das sein kann, zeigt das Beispiel des Malerbetriebs Palamar aus Oberhausen, der in dieser Woche mit dem 19-jährigen Hassan Tarah einen Praktikanten aufgenommen hat. Das Fazit fällt eindeutig aus: „Wir sind zufrieden hoch zehn! Herr Tarah macht sich sehr gut, ein absoluter Volltreffer“, so die beiden Geschäftsführer Elvis und Semir Palamar. Das Engagement des jungen Mannes überzeugt. Schon jetzt steht eine Ausbildungszusage für den Sommer 2026 im Raum. Der gebürtige Syrer Hassan Tarah, der erst seit einigen Jahren in Deutschland lebt, kommt mit dem Praktikum seinem Start in die Berufswelt einen wichtigen Schritt näher.

Für viele Jugendliche ist ein Praktikum die erste echte Begegnung mit der Arbeitswelt. Sie probieren sich aus, entdecken, was ihnen liegt – und merken, wie vielseitig Berufe sein können. Oft entsteht genau dabei ein Gefühl dafür, welcher Weg passt, und die Motivation, ihn weiterzugehen.

Gemeinsam für Ausbildung und Orientierung

Damit solche Erfolge noch einfacher zustande kommen, haben wichtige Netzwerkpartner in der Region ihre Kräfte gebündelt und zwei digitale Praktikumsbörsen geschaffen: die Praktikumsbörse Oberhausen https://www.praktikumsboerse-oberhausen.de/ und die Praktikumsbörse Mülheim https://www.praktikum-mülheim.de/, die seit gut einem Jahr online sind.

Diese beiden Börsen sind das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit von Agentur für Arbeit, beiden Jobcentern und Koordinierungsstellen Übergang Schule-Beruf der Städte Oberhausen und Mülheim und der Wirtschaftsförderung Oberhausen. Ihr gemeinsames Ziel: allen Beteiligten, eine zentrale Anlaufstelle zu bieten, die Praktikumsangebote und -gesuche übersichtlich bündelt – transparent, kostenlos und leicht zu bedienen.

Das ist ein echtes Gemeinschaftsprojekt, das zeigt, wie stark regionale Partnerschaften wirken können. „Nur durch die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten konnten diese Börsen entstehen – und sie bringen messbare Vorteile für alle Seiten“, betonen die Partnerinnen und Partner.

Ein Gewinn für Jugendliche und Betriebe

Jugendliche profitieren von einem einfachen Zugang zu passenden Praktikumsplätzen direkt in ihrer Stadt. Sie können sich gezielt über Unternehmen, Berufsfelder und Tätigkeiten informieren und unkompliziert Kontakt aufnehmen. Für sie wird die Suche nach dem richtigen Praktikum dadurch nicht nur einfacher, sondern auch ermutigender – weil sie direkt zu echten Chancen führt.

Auch für Betriebe lohnt sich die Teilnahme: Sie können kostenfrei Praktikumsplätze einstellen, erreichen interessierte junge Menschen ohne Umwege und erhalten so die Gelegenheit, potenzielle Auszubildende frühzeitig kennenzulernen. Viele Unternehmen berichten, dass aus diesen Begegnungen bereits feste Ausbildungsverhältnisse entstanden sind.

Die beiden Plattformen basieren auf dem Portal der Bundesagentur für Arbeit und verbinden damit einfache Handhabung, rechtliche Sicherheit und aktuelle Daten. Und die Nutzung wächst stetig, die Börsen entwickeln sich zu echten Drehscheiben zwischen Schule und Beruf. „Weniger suchen, mehr finden – die Praktikumsbörsen bringen Jugendliche und Betriebe unkompliziert zusammen. Das ist ein Gewinn für die Region“, heißt es von den Initiatoren.

Zum Hintergrund – Woche des Praktikums: Spätestens in der Abschlussklasse stehen junge Menschen vor der Entscheidung, wie es nach der Schule beruflich weitergehen soll. Praktika können dabei einen wichtigen Beitrag für eine fundierte Berufswahlentscheidung darstellen. Um diesen Prozess noch stärker zu unterstützen, hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) erstmals die Woche des Praktikums ins Leben gerufen. Ziel der Aktionswoche ist es, Praktika bundesweit noch stärker zu bewerben, damit junge Menschen praxisnahe Einblicke in Ausbildungsbetriebe erhalten und sich damit nachhaltig für den richtigen Ausbildungsberuf und -betrieb entscheiden können. Im Rahmen des Sommers der Berufsausbildung der Allianz für Aus- und Weiterbildung fand im Oktober die Woche des Praktikums statt. Die örtlichen Arbeitsagenturen ermutigen Ausbildungssuchende zur Teilnahme an Praktika oder an einer Einstiegsqualifizierung (EQ) als Einstieg in die Berufswelt.


Stadtgespräch

Ausbildung in Oberhausen: Oberbürgermeister lädt Fachleute zum Gespräch

Wie können mehr junge Menschen für eine Ausbildung begeistert werden? Wie erreicht man Unentschlossene mit den vielfältigen Angeboten zur Berufsfindung? Und welche Voraussetzungen fehlen manchen Jugendlichen für einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Austauschs, zu dem Oberbürgermeister Daniel Schranz Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Wirtschaft, Handwerk und Gewerkschaften eingeladen hatte.

20.03.2025

Einigkeit bestand darüber, dass bereits viele Angebote zur Berufsorientierung existieren. Die Herausforderung liegt jedoch darin, die passenden Programme für unterschiedliche Zielgruppen besser bekannt zu machen. Zudem sollen mögliche zusätzliche Maßnahmen geprüft werden, etwa zur Unterstützung bei Sprachbarrieren.

Die Teilnehmenden verständigten sich auf mehrere konkrete Schritte. So sollen Unternehmen gezielt angesprochen werden, um nach Möglichkeit mehr Ausbildungsplätze anzubieten. Um die steigende Zahl an Ausbildungsabbrüchen zu reduzieren, soll das sogenannte „Matching“ zwischen Bewerbern und Betrieben verbessert werden. Bestehende Angebote sollen stärker beworben werden, um Ausbildungsinteressierte besser mit geeigneten Unternehmen zu verknüpfen.

Außerdem wird das erfolgreiche Konzept der „Ausbildungscamps“ der Arbeitsagentur ausgeweitet, in denen junge Menschen zwei Wochen lang gezielt auf den Berufseinstieg vorbereitet werden. Zusätzlich soll eine Auszeichnung für engagierte Ausbildungsbetriebe entwickelt werden, um Best-Practice-Beispiele sichtbar zu machen.

Oberbürgermeister Daniel Schranz:

„Mehr junge Menschen in Ausbildung zu bringen, ist essenziell – sowohl für die Jugendlichen selbst als auch für die Wirtschaft und Gesellschaft. Eine abgeschlossene Ausbildung stärkt das Selbstwertgefühl, sichert Fachkräfte und trägt zur Stabilität unserer Gesellschaft bei.“

Jürgen Koch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Oberhausen:

„Die Situation ist angespannt: Es gibt zu wenig Stellen für junge Menschen und gleichzeitig zu wenig Bewerber für Betriebe. Die Diskussion war proaktiv – jetzt müssen wir handeln, um die Fachkräftesicherung voranzubringen.“

Valeska Hurraß, Geschäftsführerin des Jobcenters Oberhausen:

„Eine qualifizierte Ausbildung ist der beste Grundstein für eine sichere berufliche Zukunft. Praktika spielen dabei eine wichtige Rolle, um Einblicke in Berufe zu erhalten und Kontakte zu knüpfen.“

Jutta Kruft-Lohrengel, Präsidentin der IHK:

„In Oberhausen gibt es mehr ausbildungswillige junge Menschen als Ausbildungsplätze – eine Chance, die Betriebe nutzen sollten! Ich rufe Unternehmen dazu auf, mehr Ausbildungsplätze zu schaffen. Unterstützung gibt es bei der IHK.“

Jörg Bischoff, Kreishandwerksmeister:

„Viele Jugendliche brauchen engere Begleitung in die Ausbildung. Wir müssen sie noch gezielter in unsere Betriebe führen.“

Dr. Andreas Henseler, Geschäftsführer der OWT GmbH:

„Oberhausen bietet viele spannende und zukunftssichere Berufe. Doch um junge Menschen zu erreichen, müssen Unternehmen sich noch direkter positionieren und sichtbar werden.“

Jan Mrosek, Gewerkschaftssekretär des DGB:

„Eine Ausbildung ist der Schlüssel zu einer sicheren Zukunft. Statt wahlloser Angebote braucht es eine durchdachte Strategie, um jungen Menschen den Einstieg zu erleichtern.“

Elisabeth Schulte, Geschäftsführerin des Unternehmensverbands:

„Unsere Unternehmen investieren viel in Ausbildung, doch Nachwuchs zu finden wird immer schwieriger. Trotz vieler Bewerber dauert die Suche oft über ein Jahr. Schulabgänger sollten die Chancen nutzen, die Oberhausen ihnen bietet.“

Die Stadt Oberhausen setzt verstärkt darauf, junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen und Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften zu unterstützen. Durch gezielte Maßnahmen wie die Verbesserung des Matchings, eine verstärkte Ansprache von Betrieben und die Förderung der Ausbildungsreife soll der Einstieg in das Berufsleben erleichtert werden. Alle Beteiligten sind sich einig: Jetzt zählt das Handeln.